Seit etlichen Jahren herrscht in Polen eine Mode, am 14. Februar ein neues Fest zu feiern – den Valentinstag. Es ist ein Tag, an dem alle Verliebten versuchen, miteinander zu sein. Im Pantheon der heiligen und gesegneten Personen, die von der Kirche selig gesprochen wurden, gibt es etliche Figuren mit diesem Namen. Vermutlich handelt es sich dabei um einen Priester, der im Jahre 269 unter Regierung des römischen Kaisers Claudius II. Gothicus hingerichtet wurde, oder um den Bischof der Stadt Terni, in der Nähe von Rom, der im 3. Jahrhundert lebte, oder vielleicht ist es dieselbe Person. Der Hl. Valentin war früher Schutzheiliger der Epileptiker und Cholerakranken. In England dagegen war er als Patron der Verliebten angesehen. Aus diesem Land gelang dieses Fest nach Amerika, und dann überall dorthin, wo die angloamerikanische Kultur reicht. Nur wenige wissen aber, dass in der Pfarrkirche von Chełmno (deutsch: Kulm) seit einigen Jahrhunderten Reliquien des Heiligen Valentin aufbewahrt werden. Pfarrer Jakub Fankidejski schreibt in seinem Beitrag „Wunderbilder und Orte der heutigen Chełmno-Diözese“, hsg. Pelpin 1880  : „es ist der Kopf des Heiligen – eigentlich ein winziges Teil davon. Die Reliquien befinden sich in einer achteckigen Dose. Die ganze Dose ist aus Silber, einen Fuß hoch, ca. 3 Pfund schwer. Oben hat sie einen runden Deckel in Form von einer Kuppel, in der die Reliquie liegt und durch das Glas gesehen und geküsst werden kann. Diese Reliquie hat den Umfang von ca. zwei Fingern.“ Die Reliquie war schon früher für Wunder berühmt. Das erwähnte Reliquiar hatten Jadwiga von Czarnków Działdyńska und ihre Tochter, ca. 1630 anfertigen lassen, aus Dankbarkeit für die Heilung, zu der der Hl. Valentin beigetragen habe. Das Reliquiar wurde mit folgender Aufschrift versehen:

„BOGU W TROICY S./
IEDINEMUY S. WALENT/
EMU MĘCZENNIKOWI/

IADWIGA Z CZARNKOWA DZ/
IAŁYŃSKA STAROSCINA BRAT/
YAŃSKA IASIENIECKA ZA DOZN/
ANĄ POMOC W CHOROBIE CORK/
I MOIEJ PRZES PRZYCZYNĘ/
S. WALENTEGO MĘCZENNIKA/
CHRYSTUSOWEGO KU CCI TE/
GOSZ S. TEN UPOMINEK/
OFIARUJE. 22 MAJA/
ROKU 1630*

*(„Dem Gotte, in Dreifaltigkeit alleinig/ dem Hl. Valentin/ dem Märtyrer/ Jadwiga von Czarnkowa Działdyńska/ Landratsgemahlin der Gemeinde Bratjan Jasieniec/ für die erhaltene Hilfe in der Krankheit/ der Tochter und der eigenen vom/ Hl. Valentin dem Christi Märtyrer/ zu Ehren von diesem Heiligen/ dieses Andenken opfern/ Den 22. Mai 1630“.)

Das Reliquiar wurde von Wilhelm de Lassensy in Toruń (deutsch: Thorn) angefertigt. Im Jahre 1715 widmeten die Missionare in der Pfarrkirche von Chełmno einen neuen Altar für den Hl. Valentin.  Der Altar blieb bis heute erhalten. Er befindet sich am Hauptaltar, und trennt das Mittelschiff von dem Südschiff ab. Das Gemälde stellt die Hinrichtung dieses Märtyrers dar. Nach der Legende soll es in Rom gemalt werden, es fehlen jedoch Beweise dafür. Früher hatten die Gläubiger zahlreiche silberne Weihgaben für die erhaltene Gnade auf diesem Altar dargebracht. Im 18. und 19. Jahrhundert waren die Reliquien des Hl. Valentins mit der Hl.Geist-Kirche verbunden. Sie waren bei zwei Ablässen geehrt. Der erste fiel eben auf den 14. Februar. Am Tag vor diesem Ablass wurde das Reliquiar mit dem Kopf des Hl. Valentins aus der Pfarrkirche in die Hl.Geist-Kirche getragen, um am Hauptaltar ausgestellt zu werden. Die Gläubiger sangen und beteten zum Hl. Valentin. Viele Leute brachten auch Gaben mit. Der Priester hielt das Reliquiar zum Küssen. Am 14. Februar, ab frühem Morgen wurden in der Hl.Geist-Kirche einige Messen abgehalten, unter anderem Votivmessen mit Ausstellung sowie die Vesper, bei denen die Überreste des Märtyrers auch geküsst werden konnten. Die Feierlichkeiten wurden mit einer Prozession aus der Hl.Geist-Kirche bis zur Pfarrkirche abgeschlossen. Der zweite Ablass fiel auf den zweiten Pfingsttag. Die Gläubiger, die an diesen Feierlichkeiten teilnahmen, gewannen den Vollablass. Als die Hl.Geist-Kirche Anfang des 19. Jahrhunderts anfing zu verfallen, verlor auch die dem Märtyrer erwiesene Ehre wesentlich an Bedeutung und äußerer Pracht. Mit der Zeit geriet sie sogar in Vergessenheit. Heute wollen wir die Erinnerung an den Hl. Valentin lebendig machen und seine edlen Ideen ehren, zumal wir im Besitz von so ungewöhnlichen, mit seiner Person verbundenen Andenken sind.